Unsere Chronik

Die Geschichte der Firma Klasmann & Lentze

„Die ersten hundert Jahre“ Lt. eigener Unterlagen und ergänzenden Aufzeichnungen von dritter Seite begann die Geschichte der Firma Klasmann & Lentze bereits im Jahre 1878.

- die ersten Anfänge-

Die Geschichte der Firma Klasmann & Lentze begann im Jahre 1878, als Georg und August Klasmann in Dortmund ein Geschäft in Neu- und Alteisen gründeten. Büro und Lagerplatz befanden sich gegenüber der Nordseite des Hauptbahnhofes, und zwar neben dem damaligen Blechwalzwerk Philipp Weber in der Treibstrasse.

In jener Gegend der Stadt Dortmund blieben Ende der 70ger Jahre noch einige Plätze frei, nachdem die Gründerzeit vorüber und die Grundstücksspekulationen um den Bau von Mietswohnungen auf ein vernünftiges Maß zurückgeführt worden war. Die Nordseite des Hauptbahnhofes schien damals noch geeignet für den so genannten Zweck innerhalb zweier Jahrzehnte jedoch erwiesen sich die räumlichen Verhältnisse als zu beengt.

Dortmund wurde Großstadt – noch im Jahre 1815 hatte es nicht mehr Einwohner gezählt als die Stadt Soest, nämlich um die 15.000 herum – und wieder schossen die Mietkasernen aus dem Boden.

Die Brüder Georg und August Klasmann erkannten das.

Sie erweiterten die Firma auch hinsichtlich ihres Aufgabengebietes.

Die am 1.April 1901 vollzogene Neugründung hieß:

„Handelsgesellschaft in Bergwerks- und Hüttenerzeugnissen.“

Die Gesellschafter dieser GmbH waren außer Georg und August Klasmann noch Adolf Lentze und die beiden Direktoren der Kohlenhandelsgesellschaft in Dortmund, Heinrich Franke und Karl Adolf Bergmann.

Der Betriebsplatz wurde auf dem Bahnhofsgelände der damals noch bestehenden Haltestelle Hörde - Hacheney (Strecke Dtmd. –Hbf. – Schwerte – Iserlohn) errichtet.

In der Altstadt Dortmund wurde das dem Kaufmann Gustav Wiskott gehörigen Haus, Balkenstr. 15, gemietet. Die Büroräume waren im Parterre untergebracht, und wurden durch ein für die damalige Zeit noch sehr bemerkenswertes Empfangszimmer vervollständigt.

Den heute sehr verbreiteten luxuriösen Komfort der Büros kannte man damals – von wenigen Ausnahmen abgesehen – noch nicht. Büros waren nicht viel mehr als ein notwendiges Übel.

Das der neu gegründeten Firma konnte sich aber durchaus sehen lassen.

Die beiden oberen Stockwerke des Hauses bewohnte Adolf Lentze und seine Familie. Auf dem Lagerplatz in Hörde – Hacheney wurde zuerst ein großes Fallwerk eingerichtet, das mit einem Dampfhaspel ausgestattet war.

Bei Wagner & Co. in Dortmund wurde alsbald eine große Schere gekauft, die vorzügliche Dienste leistete und die heute noch auf dem Lagerplatz der Firma Martin Wekler in Dortmund-Hafen zur vollsten Zufriedenheit arbeitet. diente. In einem ausrangierten Eisenbahnwagen befand sich das Büro des Meisters Heinrich Bauer sen., das sehr bald mit einem Telefon ausgestattet wurde, ein Zeichen dafür, dass die Firma sich allen Errungenschaften der Neuzeit gegenüber sehr aufgeschlossen zeigte. Ein weiterer alter Eisenbahnwagen diente als Unterkunft der Arbeiter.

Die eine Schere zerkleinerte nur leichten und mittleren Schrott, ein Verfahren zur Zerkleinerung von schwerem und schwerstem Schrott fand man nur in der Anwendung von Kreuzmeißel und Hammer, eine Sache die man sich heute – angesichts der anfallenden riesigen Mengen Schrott – kaum vorstellen kann. Als aber das Verfahren der Schrottzerkleinerung mittels Sauerstoff und Acetylen bekannt war, da zischten auch schon die spitzen Flammen und sprühten die Funken auf dem Lagerplatz der Handelsgesellschaft für Bergwerks- und Hüttenerzeugnisse G. m. b. H..

Monatlich wurden im Durchschnitt jener ersten Jahre des Jahrhunderts 600 – 800 to. Umgesetzt, eine sehr respektable Leistung, wenn man zudem bedenkt, dass die meiste Arbeit mit den Händen verrichtet werden musste. Eine besonders hierfür eingearbeitete Kolonne zerkleinerte Lokomotiven z.B. am Bahnhof Arnsberg nicht weniger als 80 Stück, auch durch große Industrieabbrüche errang die Firma einen bedeutenden Umschlag an Metallen. Die Ware ging zum größten Teil in Waggonladungen an die Fa. Schäfer & Buddenberg in Magdeburg, aber auch an viele Metallgießereien des rheinisch-westfälischen Industriegebietes.

Bei den Entfallstellen von Schrott war die Fa. ausgezeichnet und ihre Vertreter besichtigten mit sachkundiger Erfahrung jeden Posten vor der Preisabgabe und kauften häufig den gesamten Vorrat, der z. B. bei den Eisenbahndirektionsbezirken, wie Elberfeld Münster, Köln, Hannover und Kassel angefallen war.

Den Eisenbahn – Radsätzen wurden im Fallwerk die Achsen ausgeschlagen, diese wurden waggonweise nach England und an die Kugellagerfabriken in Süddeutschland verkauft. Abnehmer für Schrott waren nicht nur die Hüttenwerke des Industriegebietes, sondern es gingen auch in Verbindung mit der Fa. Louis Freund Co. Im Hamburg ganze Schiffsladungen nach Italien und Amerika.

Die gute Einführung der Firma bei den Hüttenwerken beruhte auf der unbedingten Einhaltung der gestellten Lieferfristen und der Korrektheit hinsichtlich der Sortenechtheit. Dadurch waren Weigerungen eine Seltenheit. Selbst gemachte Pakete aus altem Blechschrott, klein geschnittene Drahtseile in chargierfähigem Zustand gebündelt, nichts blieb liegen, alles wanderte laufend in die hungrigen Mäuler der Hoch- Stahl und Gießöfen.

Die Gesellschafter Georg Klasmann, Franke und Bergmann traten nach einigen Jahren ihrer Zugehörigkeit wieder aus der Firma aus, neue traten ein, so Klasmanns Schwager Schulze Bögge, Amtsrichter Berbecker, Wolters und Felix Schulte, die aber nach einigen Jahren ihre Anteile Heinrich Jucho verkauften.

Es ist nun mal nicht jedermanns Sache ein gestecktes Ziel mit Beharrlichkeit und Geduld zu verfolgen und gerade in den Jahrzehnten vor dem ersten Weltkrieg glaubten viele Leute, denen die landesherrliche Prophezeiungen wohlig in den Ohren klang, es kämen goldene Zeiten, schnell reich werden zu müssen.

August Klasmann und Adolf Lentze gehörten nicht zu ihnen, sie verließen sich auf ihre zielstrebige, fleißige Arbeit. Nach einigen Jahren besaßen sie sämtliche Firmenanteile und waren alleinige Inhaber der Firma, deren Leistungsvermögen sich auch auf ein besonderes gutes Verhältnis gründete, das zwischen den Chefs und ihren Mitarbeitern herrschte.

Der alte, treue und gewandte Meister Heinrich Bauer sen. durfte als die Seele des Betriebes gelten, ihm gehörte das uneingeschränkte Vertrauen der Inhaber und sein besonderes Verdienst war, dass es beizeiten besorgt war, seine Nachfolger einzuarbeiten, was von dem Großen der Weltgeschichte und den Weltpolitikern selten oder nie gesagt werden kann, weshalb sich dann auch oftmals manches Rad im Weltgetriebe plötzlich verkehrt rumdreht.

Nachfolger von Heinrich Bauer wurde sein Sohn gleichen Namens, der seinen Posten mit gleicher Umsicht und Zuverlässigkeit ausübte.

Leider starb Heinrich Bauer sen. ein Jahr vor einem mal wieder fälligen Umzug. Denn auch in Hörde - Hacheney wurden die räumlichen Verhältnisse noch im ersten Jahrzehnt des Jahrhunderts zu eng und in Dortmund - Wambel wurde ein 30 Morgen großes Grundstück erworben, das neben dem Marmorwerk von

Rudolf Leistner lag und Vorzug hatte, einen Eisenbahnanschluss erhalten zu können. Hier wurde zunächst ein großer Schuppen errichtet, der zwei inzwischen neu beschafften Scheren aufnahm.

Zwei Fallwerke, ein Lokomotivenschuppen, ein Bürohaus mit zwei Wohnungen, eine Unterkunft für die Arbeiter mit großem Waschraum und ein großes Magazin wurden gebaut.

Zuerst benützte die Firma eine Rangieranlage mit Umlaufrollen, die sich jedoch nicht bewährt und durch Lokomotivenbetrieb ersetzt wurde.

Es waren zwei Lokomotiven vorhanden, beide von der Maschinenfabrik Hohenzollern. -wechselhafte Jahre- Es möge aber niemand der Meinung sein, die Firma Klasmann & Lentze habe ihren Weg ohne schwere Sorgung und Mühen zurückgelegt.

Es gab zwar große finanzielle Erfolge, so zuerst 1903, als gemeinsam mit Louis Freund Co., Hamburg, die Oberhausener Puddel und Walzwerke angekauft wurden um sie auszuschlachten. Die Arbeit dauerte rund 2 Jahre. Die gesamte Kesselanlage konnte zum Glück an das Hufeisenwalzwerke Hoppe Homann in Minden verkauft werden, mit welchem Werk schon seit langer Zeit gute Geschäftsverbindungen bestanden. Die vorhandenen Lokomotiven wurden in den eigenen Betrieb übernommen, alle anderen Maschinen und die Gleisanlagen gut verkauft, ebenso der Rest.

Auf einer in allen größeren Zeitungen Deutschlands angekündigten Auktion blieb weder eine Schraube noch eine Klemmbacke übrig.

Es kamen aber auch finanzielle Rückschläge vor, z. B. durch den Konkurs der Fa. „Eisenwerk Rothe Erde“ in Dortmund, der einen großen, nur schwer überwindbaren Verlust bracht.

Ein sehr gutes Geschäft, das die erhaltenen Bankkredite abstoßen half, war der Ankauf der Gleisanlagen einer Oldenburgischen Ziegelei.

Adolf Lentze hatte den guten Gedanken gehabt, das 3,5 km lange Gleis, das über Pachtland führte, sofort zu unterbrechen zu lassen, so dass die Firma aus einem Prozess, den die betr. Kommunalverwaltung auf Herausgabe der Gleise anstrebte, siegreich hervorging.

Rechtsanwalt Kuhlmann aus Dortmund lieferte damit beim Oberlandesgericht Oldenburg ein juristisches Meisterstück, aber Ärger und Sorgen hatte es für die Firma genug gegeben.

Finanziellen Auftrieb brachte auch der Ankauf und Abbruch der Waggonfabrik Neustadt in Mecklenburg. Es fanden sich große Vorräte an Walzeisen, Blechen, Holz, Brettern usw., u. a. auch 40 Güterwagen, die mit gutem Gewinn verkauft werden konnten. Ein großer Teil von Ihnen ging an die Barmer Bergbahn. Dutzende größere Abbrüche von Zechen wurden durchgeführt, so der Schachtanlagen Schleswig-Holstein im Massen, auf Minister Stein, des Elektrischen Werkes in Werl usw..

Die große Wagner – Schere wurde oft zu den Abbruchstellen verladen. Mehrere Richtmeister und viele Arbeiter waren für die Firma tätig, das Verhältnis zu ihnen war immer besonders gut.

Männer wie August Klasmann und Adolf Lentze bedurften der Lehren des Marxismus nicht, um zu lernen wie man mit Mitarbeitern umzugehen hat, mochten diese nun mit dem Sauerstoffgebläse oder mit dem Federhalter tätig sein.

Ein großes Ereignis war bei einem Werksabbruch jedes Mal das Umlegen eines mächtigen Schornsteines. Glücklicherweise entstand niemals Schaden, ein Beweis der Zuverlässigkeit der Meister und Arbeiter.

In jenen Jahren nach der Jahrhundertwende erkannt man dem Verschrottungsgeschäft keineswegs die große Bedeutung bei, deren es sich heute rühmen kann.

Damals wickelte es sich sozusagen am Rande des wirtschaftlichen Geschehens ab. Dies änderte sich von dem Zeitpunkt an, der ein verhältnismäßig ruhiges, scheinbar auf vollkommener Sicherheit, beruhendes Dasein mit einem Schlage ablöste und Unruhe auf allen Gebieten des Lebens über die Menschheit brachte:

>> Ausbruch des ersten Weltkrieges <<

Ganze Eisenbahnzüge, riesige Mengen Schrott rollten auf dem Platz in Dortmund –Wambel an, wo Platz genug war zum Einlagern. Tausende von Tonnen warteten auf Verarbeitung. Tag und Nacht wurde mit Hochdruck in drei Schichten gearbeitet. Die Banken hatten Vertrauen zur Firma und räumten ihr uneingeschränkt Kredit ein.

Die angekommene Ware wurde rasch zerkleinert und wieder abgestoßen, um von den Krediten rechtzeitig wieder herunterzukommen, was auch stets gelang. Dem Hochbetrieb entsprechend war der Verdienst.

Der Zusammenbruch 1918 brachte kaum eine Pause in die Hochkonjunktur, denn nun setzten die Abbrüche unbrauchbar gewordener Anlagen verschiedenster Art ein.

Am 30 Dezember 1918 erfolgte die Eintragung der Firma in das Handelsregister.

Die Geschichte der Firma Klasmann & Lentze widerspiegelt deutlich die politische Geschichte der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts. Halle, Naumburg, Spandau und Magdeburg waren hervorragende Arbeitsplätze der Firma, denn die Zeit der alten Festungsanlagen war vorbei.

Adolf Lentzes Schwiegersohn Guthoff, Betriebsleiter Lienenlücke und ein Schwager des Prokuristen Arndt leiteten diese Arbeiten und wickelten sie ganz vorzüglich ab. Es kamen die Besatzungszeit und der Ruhrkampf. Gerüchte, die Schrottlager würden nach Beuteschrott durchsucht und Beschlagnahmen seien zu befürchten, veranlassten Adolf Lentze, der größten Teil des Lagerbestandes sofort abzustoßen.

Der Bochumer Verein nahm sofort 1000 to. ab, die in der Rekordzeit einiger Tage verladen wurden. Dank guter Beziehungen zur Eisenbahn, die mit Sonderverfügungen die vielen Waggons stellte und wieder abholte. Kaum hatte der letzte Wagen den Platz verlassen, als die bekannten bläulichen Uniformen auftauchten und französische Offiziere, wippende Reitgerten unter dem linken Arm, die Kontrolle durchführten, denn sie wollten so genannten Beuteschrott finden, um ihre „ la gloire de la France“ zu vergrößern.

Bei Klasmann & Lentze eroberten sie nichts.

Adolf Lentze hatte den bei ihm einquartierten französischen Major Sigalla zur Stelle und die Sache lief glatt ab. Wenige Tage später gab es eine neue Aufregung. Der Leiter des Verschiebebahnhofes verkaufte uns 600 to. Koks, einen ganzen Eisenbahnzug voll, da der Zug den Fahrbetrieb behinderte und er ihn nicht über die Besatzungsgrenzen bringen konnte. Der Preis war sehr niedrig. Wir lagerten den Koks ein, verkauften ihn aber Rasch an das Eisen- und Hardgußwerk Conkordia in Hameln, dessen Direktor Krause dringend um ihn bat. Allnächtlich brachte unsere Lokomotive 100 to. Östlich bis Kurl. Die Grenzwache ließ unsere Züge passieren. Direktor Krause hat der Firma diese Hilfe nie vergessen, auch nicht, dass die Firma ihm fortwährend mit der Lieferung von Gussschrott aushalf.

Es kam die Zeit des Abwrackens veralteter bzw. seeuntüchtig gewordener Schiffe. Hierzu verband sich die Firma mit den Nordseewerken – Emden.

Die Firma verschrottete den Rest des Schiffes „Kaiserin Auguste“, einige alter Panzerschiffe, die Kanonenboote Beowulf und Hagen, einen großen Passagierdampfer der englischen Ostasienroute, die „Teutonic“ (eine holländische Schleppreederei bugsierte ihn mit Willi Guthoff an Board von England herüber) Und eine Menge alter eiserner Segelschiffe aus Norwegen und Schweden. In die Räume des japanischen Dampfers „Eifuku – Maru“ wollten die Leute der Firma unter keinen Umständen hinein, wer es wagte, saß sofort voll von hungrigen Flöhen. Die Räume wurden unter größter Vorsicht einzeln ausgebrannt.

Betriebsleiter Lienenlücke war im Abwracken von Seeschiffen ein hervorragender Fachmann. Die Firma besaß in Emden zusammen mit den Nordseewerken eine eigene Sauerstoffanlage mit schwerer Lokomotive (von Wolf in Magdeburg) und einen ganzen Park an Sauerstoff-Flaschen. Eine kleine Abwrackwerft unterhielt die Firma in Lübeck. Sie wurde von Dr. Claren geleitet, einem Schwiegersohn von Direktor Lahme der Firma C.H. Jucho.

Die Lübecker Anlage wurde später an I. Adler jun., einem ehemaligen Teilhaber der Firma abgestoßen, der auch nebenan auf der Werft von Flender abwrackte.

Am 1. April 1924 trat Herr Josef Westerwelle in die Firma als Buchhalter ein. Die Firma brauchte einen Mann, der mit Ruhe und Gottvertrauen das Schifflein durch die Stürme der Wirtschaft weitersteuerte.

Es waren keine kleinen Unwetter, die über die deutsche Wirtschaft Hereinbrachen, allenthalben gab es ein heftiges Auf und Ab. Der Konkurs des Schaufelblechwalzwerkes Eckardt in Herdecke verursachte einen Verlust von 17.000 DM (ca. 8.700 Euro) und zwar einen Tag vor dem Fälligkeitstermin. Die Leitung der Firma Klasmann & Lentze hatte vor dem Geschäft mit Eckardt gewarnt, aber der Prokurist Guthoff, der Schwiegersohn von Adolf Lentze, hatte der damaligen Commerzbank zuviel Vertrauen geschenkt, als er ihrem Rat folgte, ein Drei-Monats-Akzept der Firma Eckardt ohne Besorgnis anzunehmen. Die in einem Prozess gegen die Bank gestellten Regressansprüche wurden abgewiesen. Zwei der Direktoren der Bank wurden entlassen, einer von ihnen übernahm eine Wach und Schließgesellschaft. Von den 17.000 DM kamen aber eines Tages nur 2.000 Mark wieder. Die Dresdner Bank half über diese bösen Zeiten großzügig hinweg.

Willi Guthoff, ein Mann von Unternehmungsgeist, unerschrocken bis zur Waghalsigkeit, starb 1934 den Fliegertod. Er hatte sich für die neu entstandene deutsche Wehrmacht reaktivieren lassen wollen und stürzte eines Tages über dem Kurler Busch, wo er in einen Luftsog geriet, ab.

In den Jahren 1926/27 trat auf dem Schrottmarkt eine starke Baisse ein. Die Preise fielen von 90-100 Mark (46 – 50 Euro) auf 47 Mark (24 Euro). Der Firma entstand bei den Dortmunder und Emdener Lagervorräten ein Verlust von rund ½ Millionen Mark (ca. 256-tausend Euro).

Mit der Nordseewerft (Schwesterfirma der Dortmunder Union A.G.) entwickelte sich daraus ein Prozess, der nach langer Zeit erst durch einen Vergleich zwischen der Firma Klasmann & Lentze und der Union Dortmund auf Betreiben von C. H. Jucho, der Mitgesellschafter der Firma Klasmann & Lentze war, beendet wurde.

Jucho schloss quasi hinter dem Rücken der Firma Klarmann & Lentze, in Verbindung mit seinen Juristen, einen Vergleich um jeden Preis! Denn solange dieser Prozess lief, konnte Jucho mit seiner Firma und der Union keine Geschäfte mehr machen!!!

Durch diese üblen Machenschaften verlor, abgesehen von der Schrott-Baisse, Klasmann & Lentze noch mal mehrere hunderttausend Mark und auch das Wambeler Grundstück, für das dann viel zu hohe Pacht bezahlt werden sollte.

Kurz entschlossen wurde der Betrieb in Wambel abgebrochen und nach dem Hafen übersiedelt. Der Umzug erforderte etwa 20.000 Mark, da ein neues Fallwerk errichtet werden musste.

Der Meister Heinrich Bauer trat bei der Firma aus und wurde von Jucho übernommen, kurz darauf aber entlassen. 1944 wurde er auf dem Markt von Dortmund vor dem Kaufhaus Althoff durch Bombensplitter getötet.

Nach dem Jahre 1930 trat auf fast allen Gebieten der Wirtschaft, ausgelöst durch den bekannten Schwarzen-Freitag an der New Yorker Börse, eine gewaltige Baisse ein. Die Firma sah sich 1932 veranlaßt, ihr Lager im Hafen aufzugeben, und zwar verkauften sie es an die Firma N. Pelzer Ww. Rodenkirchen, die es wiederum 1934 an die Firma Martin Wekler mit gesamten Inventar verkaufte. Ein schwarzer Tag war auch der 22. Mai 1944, als das Haus an der Hohen Straße 15, das die Büroräume und die Wohnung des Seniorchefs enthielt, durch einen Bombentreffer restlos zerstört wurde. Nichts blieb übrig, mit Ausnahme eines kleinen Geldschrankes, der einstmals aus einem abgewrackten Schiff stammte und aus den Trümmern geborgen wurde. Er steht heute im neuen Büro, und tut noch seinen Dienst. Glücklicherweise hatte Adolf Lentze wenige Tage vorher mit seiner Familie sein Jagdhaus in Gellersen bei Hameln aufgesucht, wo er dann bis zu seinem Tode wohnte. Das Büro befand sich nach der Ausbombung bei der Firma Martin Wekler, Dortmund, Schäferstr. 35. 1946 begann die Firma wieder langsam die ersten Atemzüge zu tun. Herr J. Westerwelle besorgte den Innen- und Außendienst, welche Arbeit alsbald zu viel für einen Mann wurde. Schon während der Konjunkturjahre des Krieges war beabsichtigt gewesen, ihn am Gewinn zu beteiligen.

Am 1.1.1941 hatte er die Prokura erhalten und am 1.1.1946 trat er als Teilhaber mit 20.000 Mark in die Firma ein. 10.000 Mark waren ihm als besonderes Gutgehalt für seine Arbeit in den Konjunkturjahren überschrieben worden, die andere Hälfte des Kapitals hatte er selbst mitgebracht.


Im Anfang des Jahres 1947 besuchte ein Dr. Jürgen – Hans Pezel den alten A. Lentze in Gellersen. Seine Besuche häuften sich im Laufe des Jahres und er sprach immer wieder von seinen guten Beziehungen zur Industrie und Wirtschaft, begründet mit seiner Tätigkeit im damaligen Wirtschaftsministerium zu Berlin zu Beginn des 2. Weltkrieges.

Am 1.1.1948 wurde er in die Firma als tätiger Gesellschafter aufgenommen.

Sein Arbeitsgebiet sollte der Kundendienst sein, aber seine Tätigkeit beschränkte sich im wesentlichen darauf private Reisen zu unternehmen, und sich durch den angeblichen Plan, ein Treuhandbüro zu eröffnen, was für die Firma von Nutzen sein sollte, eine weitere wirtschaftliche Sicherung zu verschaffen. Der Aufbau eines Treuhandbüros, das ihm vertraglich zugesichert war, gab Dr. Petzel die Möglichkeit es als Mäntelchen für seine privaten Interessen jederzeit zu gebrauchen.

Leider erkannt man zu spät, warum er diesen Passus unbedingt mit in den Gesellschaftervertrag haben wollte. Es gab den ersten Ärger. Diese Vorfälle häuften sich, da sich mehr und mehr herausstellte, dass Herr Dr. Petzel die Fa. Klasmann & Lentze für sich nur als einen Übergang betrachtete und er aus der Firma so viel, wie möglich Nutzen jeder Art ziehen wollte. In diesen Auseinandersetzungen stand Herr Westerwelle, Herr Dr. Petzel praktisch allein gegenüber, wenn auch Herr Dr. Petzel durch Herr A. Lentze sen. Brieflich häufig zur Ordnung gerufen wurde. Kurz entschlossen legte A. Lentze jun. in dieser Zeit seinen erlernten Beruf als Landwirt nieder und trat am 1. Juli 1949 als Volontär bei der Firma „Schrotthandel vorm. Sonnenberg G. m. b. H. Düsseldorf“ in Dortmund ein.

Gegen diesen Berufswechsel sträubte sich Herr Dr. Petzel damals schon mit Händen und Füßen, wusste er doch, dass er es nunmehr mit Herrn Westerwelle nicht mehr allein zu tun hatte. Aus dieser Überlegung heraus verweigerte Herr Dr. Petzel seine Zustimmung, das Herr A. Lentze jun. als Angestellter in die Firma Klasmann & Lentze übernommen wurde, sodass dieser zwar ab dem 1.1.1950 in der Firma war, aber von seinem Vater unterhalten wurde.

Im Jahre 1951 wollte Herr A. Lentze sen. seinem Sohn seine Gesellschafteranteile übertragen, auch hiergegen erst recht sträubte sich Herr Dr. Petzel und gab seine Einwilligung nicht. In dieser Zeit fiel auch der Umzug in das eigene Büro in der Uhlandstr. 51 im November 1949. Mitte 1951 wurde nach aufgefundenen Unterlagen festgestellt dass sich Herr Dr. Petzel bei dem Rationalisierungskuratorium der deutschen Wirtschaft RKW in Frankfurt/Main nicht nur beworben hatte, sondern auch schon angestellt war, ohne die Firma davon in Kenntnis gesetzt zu haben.

Aus diesem Grunde wurde im August 1951 Klage beim Landgericht Dortmund auf „Ausschluss des Gesellschafters“ erhoben. Am 8. Feb. 1952 hatte Klasmann & Lentze diesen Prozess gewonnen. Da es Herrn Dr. Petzel ganzes Sinnen und Trachten nur darauf abgestellt war Zeit zu gewinnen, legte er am letzten Tag der Einspruchsfrist gegen dieses Urteil Berufung ein. Er rechnete einmal bei dem hohen Alter des Herrn Adolf Lentze sen. mit dessen baldigem Ableben, zumal dieser in den Jahren 1944/45 beide Beine amputiert bekommen hatte. Aus diesem Tode glaubte Herr Dr. Petzel seinen Nutzen ziehen zu können. Außerdem war er nach wie vor Gesellschafter der Firma, ehe nicht das Urteil rechtskräftig war.

Einsichtige Juristen, wie Dr. Dr. Schwarz und Ref. Teusen rieten der Firma immer diesen Prozess zu Ende zu führen. Herr Westerwelle und Herr Lentze jun., auf denen die ganze Schwere der Prozesse lastete, waren sich jedoch grundsätzlich einig in der Auffassung, dass, solange der Prozess dauerte, die Firma gehandicapt war. Aus diesem Grunde wurde, nach Vorfühlen Herrn Dr. Petzels in dieser Richtung ein Vergleich geschlossen, der im November 1952 rechtskräftig wurde.

Die Firma wurde durch ihre Anwälte Dr. Arens und Rechtsanwalt Droste in diesem Prozess gut beraten. Am 1. Januar 1953 trat A. Lentze jun. offiziell in der Firma an die Stelle seines Vaters. War nun dieser Prozess endlich beendet und sollte die Firma einen gewissen neuen Anfang machen und in Ruhe aufgebaut werden, so war doch über Nacht eine vollkommen veränderte Marktsituation entstanden. Eine Sistierung bei den Werken löste die andere ab, außerdem wurde sehr stark geweigert. Dazu kam, dass die Deutsche Schwerindustrie im Februar 1953 in die Montan – Union eingegliedert wurde, was dazu führte, dass ein Überangebot an Schrott vorhanden und erst recht keine Absatzmöglichkeit war.

Der Einsatz an Schrott im Hochofen war so gering, wie jetzt. Martinofenschrott war nur schleppend abzusetzen.

Die Preise, die am 10. April 1952 in der Bundesrepublik freigegeben wurden und auf das Doppelte hochschnellten, um den schwarzen Markt abzufangen, wurden im Laufe des Jahres 1952 in Gemeinschaft der Hüttenwerke mit dem Deutschen Schrotthandel wohl überlegt wieder gesenkt. Nach dem Eintritt in die Montan-Union fiel der Preis für alle Sorten Schrott jedoch rapide. Hieraus entstand vielen Firmen, welche Lager unterhielten, großen finanziellen Schaden.

Bei Klasmann & Lentze war es jedoch zum Glück nicht der Fall, da seit 1932 nur Streckengeschäfte abgewickelt wurden und sie somit nicht über Lagervorräte verfügten. Um konkurrenzfähig zu bleiben und das Geschäft langsam auf eine breitere Basis zu stellen wurde im November 1952 ein Gebrauchtwagen erworben, Opel-Olympia Typ 51. Aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus wurde dieser Wagen nach einem Jahr wieder abgestoßen und man kaufte einen Mercedes – Diesel, Typ 170 S-D. Anfang August 1953 holte A. Lentze jun. seinen Vater zu sich nach Hause, wo am 8. August der 85. Geburtstag gefeiert wurde. In den 3 Wochen seines Aufenthaltes besuchte der Seniorchef noch mal alte Freunde und Bekannte der Industrie. Einen Monat später, am 27. September schloss er für immer seine Augen.

Wieder mal war ein Umzug fällig, das Büro wurde am 1. Dezember 1953 in das Haus Westenhellweg 78 verlegt. Da das Geschäft sich in der zweiten Hälfte 1953 besserte, wurde am 1. Januar 1954 Herr Kurt Döring als Vertreter auf Provisionsbasis angenommen und ab 1. Juni desselben Jahres fest eingestellt.

Da Klasmann & Lentze die Lohnzerkleinerung bei der Firma Wekler zu teuer in jeder Beziehung kam, suchte sie einen eigenen Platz. Dieser wurde am 1.3. 1954 auf dem Bundesbahngelände in Dortmund –Hörde mit einer Größe von ca. 1.000 qm gefunden. Er hat eine Länge von 120 m. Und eine Breite von 8 m.. Dieser Platz ist in soweit ideal, als er ein 120 m. Anschlussgleis besitzt und der Firma die Benutzung eines weiteren Gleises von gleicher Länge bei Bedarf gestattet wurde. Vielleicht ist es ein gutes Omen, dass das jetzige Lager wieder in Dortmund – Hörde liegt, wo die Firma um die Jahrhundertwende ihren Aufstieg begann. Währen im März noch alle Arbeiten von Leuten des Schnelldienstes ausgeführt wurden, stellte die Firma am 1.5. einen Arbeiter (Lange) fest ein und am 1.6. den zweiten (Kollakowski), wozu bei Bedarf immer noch Leute des Schnelldienstes mit beschäftigt wurden.

Die Errichtung einer mechanischen Auf- und Abladevorrichtung

(Demag – Katze) ist geplant. Auch wurde durch die Vergrößerung des Geschäftsbetriebes eine Bürokraft nötig und wurde Frl. Marie-Luise Bahr am 1. Mai eingestellt. - die Autoren –

Bis hierher wurde die Chronik zum größten Teil in Handschrift von Herrn Adolf Lentze sen. im Alter von 82 Jahren geschrieben. Die Ergänzungen der letzten Jahre wurden entsprechend von Herrn Josef Westerwelle und Herrn Adolf Lentze anno 1954 festgehalten.

Als Ergänzung zum 100 jährigen Geschäftsjubiläum wurde die Chronik von Thomas Lentze in guter Tradition weiter geführt.

- Der Aufbruch-

Aus diesem Rapport kann man erkennen, dass schon nach relativ kurzer Zeit 01.01.1953 bis 24.8.1959 die Firma Klasmann & Lentze ausgelöst wurde. Zeitgleich am 01.08.1959 gründete Adolf Lentze jun. Eine Einzelfirma. Diese spezialisierte sich non nun an ausschließlich auf das Streckengeschäft da zu dieser Zeit die gesamtwirtschliche Lage nicht gerade dazu ermutigte Gelder zu investieren. Zum Anderen war es nicht zu letzt der Mangel an Liquidität zu Unterhaltung eines Lagers.

- Nicht immer nur Glück -

Durch den persönlichen Einsatz ging das Geschäft jedoch stetig aufwärts, bis in die siebziger Jahre hinein. Auf der Höhe seines Schaffens verstarb am 26.01.1973 Adolf Lentze jun.

 

 

„ LENTZE WIRD 99“

Mit dem 01.01.1977 übernahm Thomas Lentze als alleiniger Inhaber die Firma Adolf Lentze, die er im Sinne seines verstorbenen Vaters weiterführte und auf den heutigen Stand ausbaute.

Heute zum 125 – jährigen haben wir wieder den Staub von den Akten genommen, schauen auf die weitere Entwicklung des Schrottgroßhandels, so wie in der gesamten Industrie so hat sich der Bereich des Handelns mit Schrott und Rohstoffen ein rasanter Wandel stattgefunden, so ist heute nur noch mit einem ausgefeilten Logistikkonzept gepaart mit Hightech Bürokommunikation und Kollege Computer ein schneller und reibungsloser Ablauf möglich.

Wir danken allen unseren Kunden und Lieferanten für die langjährigen und bewährten Geschäftsverbindungen und hoffen auch in Zukunft für beide Seiten gute und interessante Abschlüsse zu tätigen.

Besuchen Sie uns.

Der Routenplaner hilft Ihnen den schnellsten Weg zu uns zu finden. Die Zeit für ein Gespräch bei einer guten Tasse Kaffee nehmen wir uns immer.

Hochachtungsvoll

Familie Lentze vertreten durch Thomas Lentze.